•
3 Min. Lesezeit

Umfeld: warum meine KI ein Gedächtnis für Menschen bekommt

Mein Assistent kann mir erklären, wie ein Dieselmotor funktioniert, und weiß nicht, wer letzten Sommer mit mir Kaffee getrunken hat. Das ist die Lücke, um die es bei Umfeld geht.

Kontaktlisten sind kein Gedächtnis

Ein Adressbuch speichert Namen, Nummern und im besten Fall eine Adresse, die vor drei Umzügen mal gestimmt hat. Was fehlt, ist alles, was die Beziehung ausmacht: wie man sich kennengelernt hat, worüber zuletzt gesprochen wurde, wie lange das her ist.

CRMs lösen das nicht, weil sie ein anderes Problem lösen. Dort geht es um Leads und Deals, um Pipelines mit einem Ende. Menschen haben kein Abschlussdatum. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich in keinem Vertriebstool je Lust, meinen Freundeskreis zu pflegen.

Der Teil, der mich wirklich interessiert hat

Der Grund, warum ich Umfeld gebaut habe, ist eigentlich nicht das CRM. Es ist der MCP-Server.

Das Model Context Protocol erlaubt es, einer KI strukturierten Zugriff auf eigene Daten zu geben. Umfeld nutzt das für Beziehungen: Personen, Unternehmen, Notizen, Ereignisse, Follow-ups, alles als typisierte Tools. Claude, ChatGPT über Connectors, Cursor, jeder Client, der MCP spricht, kann den Graphen lesen und beschreiben.

Praktisch heißt das, ich frage in normaler Sprache und bekomme eine Antwort aus meinem eigenen Netzwerk:

  • “Wen kenne ich bei OpenAI?"
  • "Gründer, die ich dieses Jahr in Lissabon getroffen habe"
  • "Wer hat nächste Woche Geburtstag?”

Keine Filtermaske, keine Feldnamen. Und weil der Assistent nicht nur lesen, sondern auch schreiben darf, kann er die Notiz nach einem Gespräch selbst ablegen und den nächsten Schritt vormerken.

Erfassen, ohne ein Formular auszufüllen

Jedes Personal CRM stirbt an der Datenpflege. Wenn das Anlegen eines Kontakts länger dauert als das Gespräch, macht man es zweimal und dann nie wieder.

Deshalb gibt es in Umfeld drei Wege hinein, die alle keine Tipparbeit sind: einen Namen sprechen, eine Mail weiterleiten, eine Visitenkarte fotografieren. Die KI strukturiert daraus die Person und die Notiz. Google Contacts wird in beide Richtungen synchronisiert, das Adressbuch bleibt also die Quelle der Wahrheit und ich muss nicht überlegen, wo eine Nummer jetzt eigentlich steht.

Health-Score

Die Funktion, die ich selbst am häufigsten benutze, ist auch die unangenehmste. Jede Verbindung bekommt einen Health-Score aus letztem Kontakt, Frequenz und Intensität. Vier Stufen: stark, stabil, abkühlend, kalt.

Das Ergebnis ist eine Liste von Menschen, die man mochte und still verloren hat. Ich fand das beim ersten Mal ziemlich ernüchternd. Genau deswegen ist es drin.

Was noch fehlt

Ehrlich: der Graph ist nur so gut wie die Signale, die reinlaufen. E-Mail und Kalender liefern den letzten Kontakt und gemeinsame Termine, aber vieles passiert in Messengern, und da ist Umfeld heute blind. Ich weiß noch nicht, ob ich das lösen will, ohne dass es unangenehm wird.

Zugriff, Hosting, Preis

Der Zugriff läuft über OAuth mit Scopes, vergeben pro Client und jederzeit widerrufbar. Gehostet wird in Deutschland. Es gibt einen einzigen Plan ohne Kontaktlimit, sieben Tage kostenlos, danach 6 € im Monat.

Anschauen kann man sich das Ganze unter umfeld.app.